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WDR: Sendung vom 20. Februar 2006

Matratzenschnäppchen: Was die Sonderangebote taugen

Wer eine Matratze kauft, kann sich vor Sonderangeboten kaum retten. Bis zu 80 Prozent Rabatt versprechen manche Händler. testmarkt hat 20 Angebote verglichen und herausgefunden: Der kleine Fachhändler um die Ecke verkauft die Matratzen auch ohne große Rabattschilder gleich billig oder sogar billiger.

Von Mathias Rauck

Der Startschuss für unsere Stichprobe fiel im Oktober 2005 in Köln. Wir betraten das Matratzengeschäft Dänisches Bettenlager. Bezirksleiter Christian Schmoor begrüßte uns. Wir hatten ihm erzählt, einen Servicebeitrag über Matratzen zu drehen. Er erwartete daher Fragen wie: Sieben oder fünf Zonen, Kaltschaum oder Latex, abnehmbarer Doppeltuchwaschbezug oder viskoelastische Liegeunterlage? In Wirklichkeit aber interessierte uns der Preis. Und was Christian Schmoor nicht wusste: Wir hatten uns vorab schon informiert, was die vom Dänischen Bettenlager als Sonderangebote beworbenen Modelle bei einem kleinen Fachhändler, dem „7. Himmel“ in Köln, kosten sollten. Dessen Inhaber ist Hans-Jürgen Köhne. Bei ihm finden sich keine großen Angebotsschilder. Er hätte die Matratzen, nach denen wir uns erkundigten, sogar einzeln bei einem Zwischenhändler bestellen müssen. Trotzdem war er bei unserem Preisvergleich genauso billig und sogar günstiger als die Sonderangebote vom Dänischen Bettenlager.

Aber davon ahnte Christian Schmoor noch nichts. Er erklärte uns, was es mit der Punktelastizität einer Matratze auf sich hat und welche Rolle Raumgewicht und Kernhöhe spielen. Erst am Ende der Beratung erkundigten wir uns nach dem Preis: „Das ist eine unserer Angebotsmatratzen, die Lara Wash von Dunlopillo, nur 399 Euro. Normalerweise kostet sie 499 Euro.“ Der Hersteller empfehle sogar 599 Euro als Verkaufspreis. Wie er es denn schaffe, so günstig zu sein, wollten wir wissen. „Das Dänische Bettenlager ist in Deutschland mit 600 Filialen vertreten. Da erzielen wir natürlich ganz andere Einkaufsbedingungen und die geben wir selbstverständlich an unsere Kunden weiter“, so Christian Schmoor. Außerdem gelte der Preis auch nur für 14 Tage, fügt er hinzu.

80 Euro unter Sonderpreis
Auf diesen Moment hatten wir gewartet. Wir konfrontierten Christian Schmoor mit dem Preis von Hans-Jürgen Köhne für das gleiche Modell: 319 Euro und damit 80 Euro unter dem Sonderpreis des Branchenriesen! Des Verkäufers Reaktion: „Wir vom Dänischen Bettenlager können Ihnen nur eins sagen: Sie bekommen bei uns eine individuelle Beratung. Wir wollen Ihnen diese Matratze nicht verkaufen. Wir wollen, dass Sie gut schlafen!“ Hoffentlich ärgert sich jetzt niemand, weil er für die Lara Wash 399 Euro bezahlt hat, dann hätte nämlich das Dänische Bettenlager noch nicht mal das geschafft.

Hans-Jürgen Köhne unterbot auch die Sonderpreise von Matratzen-Concord. Europas größte Matratzenkette, wie sich der Handelsriese selbst nennt, wollte 409 Euro für ein Modell, welches im „7. Himmel“ nur 279 Euro kosten sollte. Und die 409 Euro von Matratzen-Concord waren auch noch ein so genannter Sonderpreis, anstelle von regulär 509 Euro.

Insgesamt hat testmarkt in zehn Matratzengeschäften je zwei Sonderangebote eingeholt - in fünf Filialen großer Ketten und bei fünf mehr oder weniger kleinen Einzelhändlern, die mit reduzierten Preisen für ihre Matratzen werben - und diese Preise mit denen von Hans-Jürgen Köhne verglichen. Der „7. Himmel“ war nur in einem Fall teurer - um 30 Euro. Nicht vergleichen konnten wir die beiden Sonderangebote von MFO (Matratzen-Factory-Outlet), denn deren Matratzen gibt es nach eigenen Angaben nur bei MFO.

Keine Eile beim Kauf
Im Januar 2006 folgte der zweite Teil unserer Stichprobe. Auch drei Monate nach unserem ersten Vergleich wurde für keine der 20 Testmatratzen der reguläre Preis verlangt, der seinerzeit deutlich durchgestrichen über allen Sonderangeboten stand. Bei keiner der 20 Matratzen wäre also im Oktober beim Kauf Eile geboten gewesen. Im Gegenteil: MFO empfahl uns damals eine Matratze für 487 Euro (Vita San Super De Luxe) statt der angeblich regulären 699 Euro. Horst Grünbichler, MFO-Verkaufsleiter, erklärte uns damals vollmundig: „Der Preis ändert sich teilweise wöchentlich, je nachdem, wie lange wir uns so ein Angebot leisten können.“ Er konnte damals aber auch nicht wissen, dass wir ihn drei Monate später erneut besuchen würden. Inzwischen hatte sich der Preis zwar tatsächlich geändert, doch nicht nach oben, wie wir nach Grünbichlers Erklärungen erwartet hätten, sondern nach unten auf 299 Euro! Wer sich im Oktober durch die angeblich günstigen 487 Euro hat locken lassen, hat also fast 190 Euro zu viel gezahlt.

Außerdem fanden wir heraus, dass die ostdeutsche Firma Malie ihre Matratzen baugleich zu MFO-Modellen herstellt. Das sagte uns jedenfalls das Siegel der Stiftung Warentest. Modelle von MFO und Malie schmücken sich mit dem Siegel für ein und dieselbe getestete Matratze. Und die Modelle von Malie sind im Einzelhandel teilweise deutlich billiger zu haben als die Sonderangebote von MFO.

Auch andere Handelsketten geben Matratzen oft eigene Namen, um einen Preisvergleich zu erschweren. Aus gutem Grund, wie unser Test gezeigt hat. Eine Übersicht über alle verglichenen Modelle, ihre Preise und die unterschiedlichen Namen für Matratzen gleicher Bauart finden sie im Tabellenanhang.

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