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Was im Schlaf passiert

Abend für Abend gehen wir zu Bett, tauchen ab aus der Welt des Bewusstseins. Rund ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir damit zu schlafen. Doch wozu wir Schlaf überhaupt brauchen, haben Wissenschaftler bis heute noch nicht ganz verstanden. Deshalb untersucht das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, was nachts alles mit uns passiert. Im Schlaflabor werden die Aktivitäten von Herz, Atmung, Muskeln und Gehirn aufgezeichnet und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich im Schlafzustand mehr fut als wir gemeinhin annehmen.

Tauchgang in die Tiefe - Was im Schlaf mit unserem Körper passiert!

Der Weg in den Tiefschlaf

Wenn wir zu Bett gegangen sind, schlafen wir nicht einfach blitzschnell ein, schnarchen die ganze Nacht tief und fest und wachen am Ende ebenso plötzlich wieder auf. Vielmehr durchlaufen wir jede Nacht verschiedene Schlafphasen - und das mehrmals hintereinander.

Die Einschlafphase

Der Durchschnittsdeutsche ist ein Frühaufsteher, normalerweise geht er um kurz nach 23 Uhr ins Bett. Jetzt beginnt die Einschlafphase. Sobald es dunkel ist, fällt weniger Licht auf die Augen. Diese Information gelangt über den Sehnerv zu einer Kommandozentrale des Gehirns, dem Hypothalamus. Dort befindet sich die "innere Uhr". Sie schaltet auf "Nacht" um und aktiviert die Zirbeldrüse. Diese produziert das Schlafhormon Melantonin - und das macht müde.

Dass das Wort "Schlaf" von "schlaff" kommt, zeigt sich bereits beim Einschlafen: Unsere Muskeln erschlaffen. Dabei kann es passieren, dass Arme und Beine unwillkürlich zucken. Oft haben wir zugleich das Gefühl, zu fallen oder eine Treppe hinunterzustürzen. Und fahren erschrocken aus dem Bett hoch, um den befürchteten Sturz zu verhindern.

Solche Sinnestäuschungen im Halbschlaf sind nichts außergewöhnliches, sondern kommen häufig vor. Schuld an dem Fall-Gefühl ist das Gleichgewichtsorgan in unserem Innenohr. Seine mikroskopisch feinen Sinneshärchen reagieren auf Schwerkraft und melden uns die Körperposition im dreidimensionalen Raum. Da wir aber im Bett praktisch schwerelos sind, ist das Gleichgewichtsorgan irritiert.

Der Leichtschlaf

Nach einer Viertelstunde schlafen wir in der Regel ein. Der Körper fährt seine Leistung herunter und schaltet auf Sparflamme. Das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck fällt ab. Endlich beginnt das Erholungs-programm. Einschlafen ist vergleichbar mit einem Tauchgang: Unser Bewusstsein sinkt gewissermaßen immer tiefer. Im Schlaflabor können die Forscher messen, wie die Gehirnströme dabei langsamer werden.

Der Tiefschlaf

Nach etwa 30 Minuten befinden wir uns im Tiefschlaf. Diese Phase ist am Wertvollsten: Körper und Geist erholen sich, unsere Zellen regenerieren sich. Der Tiefschlaf kann im wahrsten Sinne des Wortes als "Schönheitsschlaf" bezeichnet werden.

Allerdings hat diese Phase für so manchen Schläfer unangenehme oder sogar ungesunde Auswirkungen - und für seine Umgebung. Denn viele Menschen schnarchen im Tiefschlaf. Da ihre Muskulatur in dieser Phase vollständig erschlafft ist, sinken die Zunge und der weiche Gaumen nach hinten. Dadurch dass die Atemzüge nun das Gaumensegel in Schwingungen versetzen, entstehen die teilweise markerschütternden Schnarchgeräusche. Auch Sauerstoffmangel kann die Folge sein, wenn Zunge und Gaumensegel die Atemwege blockieren.

Die Zeit der Träume

Nach einer halben Stunde haben wir den Tiefschlaf beendet. Wir verlassen den Grund des Bewusstseins wieder und steigen nach oben, in Richtung Wachzustand. Doch bevor wir erwachen, beginnt die wildeste Phase: der REM-Schlaf. REM bedeutet "Rapid Eye Movements", zu Deutsch: "schnelle Augenbewegungen". Denn die geschlossenen Augen rollen wild hin und her. Auch das Gehirn ist in diesem zehn bis 20 Minuten dauernden Abschnitt hoch aktiv. Herzschlag und Atmung werden schneller. In dieser Schlafphase finden die meisten und intensivsten Träume statt. Deshalb wird der REM-Schlaf auch Traumschlaf genannt.

Schutz durch Lähmung

Damit wir das, was wir im Traum so anstellen, nicht auch in die Realität ausleben, ist unser Körper im REM-Schlaf gelähmt. So verhindert unser Gehirn, dass wir uns verletzen. Allerdings gibt es auch Menschen, bei denen diese Lähmung außer Kraft gesetzt ist: Sie leben aus, wovon Sie träumen. In der Fachsprache heißt dieses Phänomen "R.E.M.-Schlaf-Verhaltensstörung".

Mehrere Zyklen pro Nacht

Nach dem REM-Schlaf wachen wir auf. Aber nur ganz kurz, denn es ist noch mitten in der Nacht. 90 Minuten hat dieser erste Schlafzyklus gedauert. Ein gesunder erwachsener Schläfer durchläuft jede Nacht vier bis fünf solcher Zyklen. Während der Tiefschlaf-Anteil am Anfang noch sehr groß ist, nimmt er im Laufe der Nacht immer mehr ab. Dafür verlängernd sich die Traumphasen mit jedem Zyklus.

Übrigens: Pro Nacht schwitzen wir knapp einen halben Liter Wasser aus. Und wir drehen uns acht bis 30 Mal um, damit unser Körper besser durchblutet wird. Doch erinnern können wir uns morgens daran nicht.

Als Durchschnitts-Deutsche schlafen wir ziemlich genau sieben Stunden und wachen früh auf: Um 6.23 Uhr sind wir wieder frisch für den neuen Tag. Statistik