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Wie Kinder besser schlafen

aus dem Buch von Prof. Dr. Jürgen Zulley: "Mein Buch vom guten Schlaf"
 
Wie glücklich sind diejenigen Eltern, deren Kinder problemlos schlafen! Sie können oft gar nicht ermessen, was andere durchmachen, die jahrelang keine Nacht durchschlafen können, weil ihre Kinder nachts wach werden und Nähe suchen. Zunächst einmal: Dass vor allem Babys und Kleinkinder nicht durchschlafen, ist völlig normal und keine Schlafstörung. Natürlich gibt es Schlafstörungen bei Kindern, und man kann viel dagegen tun. Sie sollten sich aber nicht beunruhigen, wenn Ihr Kindergartenkind immer noch nachts aufwacht. Ansonsten gilt für die nächtlichen Durchschlafschwierigkeiten der Kinder das gleiche wie für Erwachsene: Das Aufwachen ist ganz normal, das Problem ist das Wiedereinschlafen. Bei Babys und Kleinkindern, die diesbezüglich am anstrengensten für die Eltern sind, helfen oft Verhaltensweisen, die zwar nicht immer einfach durchzuhalten sind, am Ende aber die Kinder beruhigen und damit auch die Eltern.
 

Die Bettzeit

Kinder lernen oft viel Schneller als wir Erwachsene. Sie lernen auch ganz schnell, wann Schlafenszeit ist, wenn die Eltern diese nur konsequent einhalten. Dabei sollten sie in einer möglichst ruhigen und ungestörten Umgebung sein.
 

Das Einschlafritual

Wenn Sie jedes Mal, wenn das Kind schlafen soll, das gleiche Ritual zelebrieren, helfen Sie Ihrem Kind, sich auf das Schlafen einzustellen. Das kann eine Geschichte sein oder ein Lied, am besten selbst erzählt, vorgelesen oder gesungen, das ist wesentlich beruhigender als das Gleiche aus der Konserve. Aber bitte nur eines! Nicht drei Geschichten und drei Lieder.
 

Allein einschlafen

Gehen Sie dann aus dem Raum und lassen Sie das Kind allein einschlafen. Lassen Sie ihm dazu ruhig, was es gern hat, ein Kuscheltier oder eine Spieluhr, einen Schnuller oder ein kleines Licht. Wenn es beim Einschlafen jammert, gehen Sie nicht hin, nur wenn es wirklich laut und anhaltend weint. Dehnen Sie die Zeit, bis Sie hingehen, jeden Tag ein wenig aus, denn so merkt das Kind, dass es nun schlafen soll und dass das Spielchen >>Mal sehen, was ich tun muss, damit Mami kommt<< aufhört.
 

Im Bett der Eltern

In den ersten sechs Monaten sollten Sie das Baby bei sich haben, am Besten nicht im eigenen Bett, weil Sie sich dann beide beim Schlafen stören, aber daneben. So haben Sie erstens eine bessere Kontrolle und müssen zweitens nicht jedes Mal aufstehen, wenn das Baby Sie braucht. Es schadet dem Baby nicht, wenn es in seinem eigenen Bettchen liegt, das ist kein Zeichen einer kinderfeindlichen Gesellschaft und findet sich auch bei Naturvölkern. Später gilt: Lassen Sie erst einmal zu, dass das Kind zu Ihnen ins Bett kommt. Sobald Sie sich aber dadurch gestört fühlen, unternehmen Sie etwas dagegen. Machen Sie dem Kind freundlich, aber konsequent klar, dass es in seinem Bett schlafen soll, jedenfalls im Normalfall. Wenn Sie das nicht schaffen, können Sie auch neben Ihrem Bett ein Notlager für das Kind installieren, wo es schlafen kann, wenn es nachts nicht allein bleiben kann. Dann ist es zumindest in Ihrer Nähe und Sie haben trotzdem Platz im Bett. Außerdem halten Sie so ein Mindestmaß an Distanz und signalisieren den Ausnahmefall.
 

Das Kinderbett

Das Bett sollte auf jeden Fall deutlich größer sein als das Kind, nur dann hat es genügend Platz. Bei Babys binden Sie die Bettdecke am besten leicht am Fußende an oder verwenden einen nicht zu großen Schlafsack, damit das Kind sich nicht die Decke über den Kopf ziehen kann. Dadurch wird verhindert, dass die Decke über den Kopf rutschen kann und das Kind Probleme beim Atmen bekommt. Denn wenn es nicht mehr richtig Luft bekommt, wird es aufwachen und schreien. Babys brauchen kein Kopfkissen, es reicht eine zusammengelegte Stoffwindel.
 

Die Kleidung

Viele Kinder sind in der Nacht zu warm angezogen. Ab dem vierten Lebensmonat sollten Babys nicht mehr tragen als Erwachsene zum Schlafen. Sie brauchen weder Mütze noch dicke Strampler noch Bettjäckchen, im Gegenteil. Wenn Sie Ihr Kind zu warm anziehen, dann kann es einen Wärmestau bekommen und damit steigt das Risiko für den plötzlichen Kindstod.
 

Die Körperlage bei Babys

Wenn es frisch getrunken hat, legen Sie Ihr Kind am besten auf die Seite, wenn es dort liegen bleibt, vor allem wenn es dazu neigt, einen Teil der Mahlzeit wieder auszuspucken. Davon sind zwar die Orthopäden wegen der Hüftreifung nicht begeistert, aber irgendwie muss das Kind ja liegen. Ansonsten legen Sie es auf den Rücken, wenn Sie nicht gerade dein Eindruck haben, dass es Milchrückfluss oder der eigene Speichel beim Atmen behindern würde. Die Bauchlage sollten Sie im ersten Lebensjahr jedenfalls weitgehend vermeiden, obwohl sie eigentlich beruhigt und den Schlaf fördert, denn es hat sich herausgestellt, dass dann das Risiko für den plötzlichen Kindstod viel höher ist als in den anderen Schlafpositionen.
 

Überdrehte Kinder

Wenn Kinder abends scheinbar zu Hochform auflaufen, ist das oft ein Zeichen dafür, dass sie übermüdet sind und nicht genügend Ruhe hatten. Lassen Sie es erst gar nicht so weit kommen und richten Sie den Tagesablauf entsprechend darauf ein: Gehen Sie rechtzeitig nach Hause, sorgen Sie frühzeitig für Ruhe und lassen Sie den Fernseher am späten Nachtmittag nicht mehr laufen - Kinder müssen spüren, dass abends keine >>action<< mehr angesagt ist. Schläft es dann trotz allem nicht ein, bringen Sie es in eine monotone Situation und warten sie ab, bis sich das Kind beruhigt. Manchmal brauchen Sie dazu sehr viel Geduld, aber die zahlt sich aus.
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